Das Netzwerk historisch arbeitender Frauen
Das Netzwerk wurde Ende 1989 konzipiert als eine Koordinationsstelle für feministische Geschichtsforschung und politische Bildungsarbeit im Bereich historischer Frauenforschung. Der Standort Wiesbaden war der anfänglichen Anbindung an das Autonome Frauenarchiv Wiesbaden e.V. geschuldet, in dessen Räumen ein Büro eingerichtet werden konnte.
Ziele
Das Netzwerk wollte der feministischen Geschichtsschreibung dauerhaft ein Forum des Austauschs und der Kommunikation zur Verfügung stellen.
Zur Vorgeschichte: Von 1978 bis 1984 waren durch überregionale Kongresse mit hunderten von Teilnehmerinnen in Berlin, Bielefeld, Wien, Bonn und Amsterdam ein Vernetzungszusammenhang entstanden. Inhaltlich stand die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus im Mittelpunkt. Ende der 80er Jahre war die als „Opfer-Täterinnen-Debatte“ bezeichnete Kontroverse innerhalb der feministischen Forschung zum NS auf einem Höhepunkt angekommen. Die identitätsstiftende Frauengeschichte ging aus dem Bedürfnis hervor, den NS als „extreme Form der Männerherrschaft“ zu interpretieren. Die Täterforschung setzte dem die These entgegen, dass die Partizipation von Frauen am NS vernachlässigt werde. Die These der „weibliche Mittäterschaft“ (Christina Thürmer-Rohr) markierte diesen Paradigmenwechsel. Diese Auseinandersetzung war auch Ausdruck bestimmter Konjunkturen der Frauenbewegung, die sich auszudifferenzieren begann, sich partiell institutionalisierte, staatlich gefördert wurde und zunehmend Unterschiede zwischen Frauen akzentuierte. Der „Historikerinnenstreit“ 1989 und 1992 fand dann bereits in etablierten Publikationsorganen statt.
Der zweite Ansatz war, politische Bildungsarbeit in diesem Bereich anzubieten. Organisatorisch stand der Aufbau einer Adressendatei und die Versendung eines Newsletters am Anfang. Dabei hatte das Netzwerk den Anspruch, unterschiedliche Ansätze und Kontroversen innerhalb und außerhalb der Institutionen zusammenzuführen und auf Kontinuität und vertiefenden Austausch zu setzen. Die deutsch-deutsche Vereinigung veränderte die Arbeit des Netzwerks grundsätzlich (s. auch „Das Netzwerk historisch arbeitender Frauen im Osten„)
Weitere Aktivitäten
- Der erste Kongress zur Frauengeschichte fand im November 1990 in Mainz „Historische Frauenforschung in der Diskussion“ statt, an dem bereits Frauenforscherinnen aus der ehemaligen DDR beteiligt waren und die weitere Zusammenarbeit vorbereiteten.
- Die Zeitschrift „Hypathia“ als Organ, das die Ergebnisse der historischen Frauenforschung vorstellte, erschien von 1992 bis 1994.
- In der Folge kam es zur Bildung einer AG ost- und westdeutscher historisch arbeitender Frauen und zu intensiveren Kooperationen mit Berliner Frauengruppen (UFV, DFD)
- Der letzte Höhepunkt des eigenständigen Netzwerks war der Kongress „Hundert Jahre deutsche Frauenbewegung. Auf der Suche nach der anderen Gesellschaft. (in Kooperation mit dem UFV) vom 02.-04. September 1994 in Berlin.
Nach Reform und Fusion zur neuen Heinrich Böll Stiftung gelang es noch einige Jahre, den feministischen Ansatz durch eine ehrenamtliche Gruppe ost- und westdeutscher Historikerinnen durch Kongresse und Seminare im Rahmen der Zeitgeschichte in der HBS fortzuführen.
