Stärkung feministischer Anliegen
Im Jahr 1994 rückte die konzeptionelle Entwicklung feministischer Strategien als Grundlage der FAS-Arbeit noch stärker in den Fokus. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der „Deutschen Frauenbewegung“ griff die FAS zentrale aktuelle Themen auf:
- Empowerment: Frauen als zentrale Akteurinnen politischer und gesellschaftlicher Veränderung
- Entwicklung autonomer, selbstbestimmter Organisationsformen
- Das Verhältnis von Frauen zur Macht
- Frauen anstiften: Wozu und wie?
Internationale Programme und neue Partnerschaften

Mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes (AA) wurden 1994 insgesamt 25 Programme umgesetzt. Erstmals wurden auch Kasachstan und Georgien in die internationalen Begegnungsprogramme aufgenommen.
Die Einbindung von Migrantinnen aus Deutschland, Europa und dem Globalen Süden verlieh den Programmen eine neue, globale Dimension.
Die Schwerpunktthemen „Nationalismus und Feminismus“ sowie „Sozialismus und Feminismus“ wurden weitergeführt und vertieft.
Im Mittelpunkt standen außerdem:
- Der aktuelle Stand der Gender Studies
- Die Rolle der Frau in Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur
- Neue Frauenbewegungen im Spannungsfeld von Demokratieentwicklung, Nationalismus und Fundamentalismus
Innovation: Erste gemeinsame Konferenz und Sommerschule Hippo
1994 fand erstmals eine gemeinsame Konferenz mit den Kooperationspartnerinnen zur Planung der Mittelvergabe für 1995 statt. Ein zentrales Ergebnis war die Entscheidung für die Durchführung der zweiwöchigen Sommerschule Hippo (Flusspferd) – eine Plattform für intensiven Austausch, gemeinsames Lernen und grenzüberschreitendes Netzwerken.

Ausbau der Projekte in Ost- und Mitteleuropa
Der vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) geförderte Projektbereich wurde 1994 um zwei neue Projekte erweitert:
Bratislawa: ASPEKT – Frauenbildungs- und Öffentlichkeitszentrum
Anfang der 90ger Jahre hatte sich in Bratislawa eine Gruppe von Frauen zusammengefunden, um frauenspezifische Fragen zu diskutieren und die Herausgabe einer feministischen Kulturzeitschrift vorzubereiten, die erste ihrer Art in der Tschechoslowakei: ASPEKT. Das war ein gewagtes Unterfangen in einer allgemein patriarchal und antifeministisch geprägten Gesellschaft. Mit der Förderung der FrauenAnstiftung konnte sich ASPEKT zu einem Bildungs- und Informationszentrum für Frauen erweitern. Das Ziel: die soziale und politische Situation von Frauen durch Bildungsarbeit zu verbessern und das Selbstbewusstsein der Frauen als Individuum und Bürgerin zu fördern. Die Zeitschrift diente dabei als Multiplikatorin, in der u. a. aktuelle frauenspezifische Themen diskutiert wurden, feministische Literatur vorgestellt wurde, Berichte über eigene Seminare und Konferenzen erschienen. Von besonderer Bedeutung waren der Aufbau einer Bibliothek und die Übersetzung feministischer Literatur ins Slowakische.
Partnerinnenorganisation: ASPEKT, Bratislawa, Slowakische Republik
Förderzeitraum: 1994-1997
Zagreb: Informations- und Dokumentationszentrum für Frauen
Die Frauen-Infothek hatte sich Anfang der 90ger Jahre mit dem Ziel gegründet, die Geschichte der Frauenbewegung der Länder des ehemaligen Jugoslawiens sowie die aktuellen Frauen-Aktivitäten in den sich neu bildenden Nationalstaaten zu dokumentieren. Die feministische Frauenbewegung Jugoslawiens war eine der stärksten innerhalb der sozialistischen Länder und sollte mit Archiv, Datenbank, Bibliothek, dem Magazin „Kruh i ruze“ [Brot und Rosen] ausführlich erfasst werden. Der Ausbau von „Fe-Mail“, digitaler Kommunikation, und einem Verlag für Frauenliteratur „Druga“ [Die Andere] waren weitere Schwerpunkte. „Druga“ veröffentlichte 1994 die ersten drei Magazine. Die Infothek entwickelte sich zu einer zentralen Anlaufstelle für Austausch und Diskussion sowohl über Politik, Kultur, Kunst, über Gesundheitsvorsorge und Empfängnisverhütung, als auch über physische und psychische Gewalt gegen Frauen in und außerhalb von Partnerschaften. Die Räume der Infothek wurden allen Frauengruppen zur Verfügung gestellt, die Hilfe und Unterstützung brauchen wie z. B. dem Autonomen Frauenhaus oder dem Frauenzentrum für Kriegsopfer.
Partnerinnenorganisation: Zenska Infoteka Zagreb [Frauen-Infothek], Zagreb, Kroatien. Förderzeitraum: 1994-1997
Eine Übersicht aller Aktivitäten des Europabereichs finden Sie auf folgenden Seiten:
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