Neue Bundesländer

Wechselseitige Herausforderungen

Nach der Öffnung der Mauer stießen in Deutschland zwei Welten aufeinander. Im Westen im Zuge der neuen Frauenbewegung trug der Blick in die Geschichte zur Identitätsfindung von Frauen als soziale Gruppe bei. Projekte wie Frauenarchive, Frauenmuseen und Frauenstadtrundgänge außerhalb etablierter Institutionen waren ein Ausdruck davon.

Im Osten war Frauenforschung eine in den institutionellen Rahmen eingebundene Legitimationsforschung, die die „Frauenfrage“ als soziale Frage verortete.
Das Netzwerk hatte bis 1990 feministische Wissenschaftlerinnen, Projektfrauen und frauenpolitische Aktivistinnen miteinander vernetzt (s. Büro Wiesbaden). Die Zusammenarbeit mit den Ostfrauen stellte die Arbeit vor neue Herausforderungen. Es war eine Expedition in einen unbekannten Kontinent. Die Frauen-Anstiftung ermöglichte es, Begegnungen, Seminare und Kongresse mit Ostfrauen zu planen und durchzuführen.

Über die Auseinandersetzung mit politischen Organisationsformen und der geschichtlichen Entwicklung beider deutscher Staaten hinaus war ein Schwerpunkt, die gegenseitigen Wissenslücken über Alltagserfahrungen und Handlungsoptionen zu füllen.

Aktivitäten

  • In einer größeren Tagung in Weimar 1991 „Wie wir wurden, was wir sind“ dienten biographische Zugänge dem gegenseitigen Verständnis.
  • Im September 1992 veranstaltete das Netzwerk in Berlin ein Seminar zur Geschichte und der Rolle des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands (DFD), dem Staatsverband der DDR. Dabei nahm auch die kritische Betrachtung der Geschichte der Bundesrepublik bis 1989 einen großen Raum ein.
  • 1993 stellte das Netzwerk in einer Veranstaltung „Mit den Frauen ist kein Staat zu machen?“ den Systemvergleich der beiden deutschen Nachkriegsgesellschaften in den Mittelpunkt.
  • Seinen vorläufigen Höhepunkt fand die Arbeit im Sommer 1994 mit einem dreitägigen Kongress in Berlin in Zusammenarbeit mit dem Unabhängigen Frauenverband, einer Organisation ehemaliger autonomer Frauen der DDR, „Hundert Jahre deutsche Frauenbewegung“.
  • Parallel wurde die vom das Netzwerk herausgegebene Zeitschrift HYPATIA ein Forum für den Austausch zwischen Ost- und Westforscherinnen.