Hippo-Camp

Feministische Bildung in Südeuropa

Im Sommer 1995 gab es einen Höhepunkt der Begegnungsprogramme der Stiftung: in Slowenien fand die Frauensommerschule „Flusspferd“ (engl. hippopotamus) oder das „Hippo-Camp“ statt. Die Idee, eine neue gemeinsame Lernform auszuprobieren, kursierte schon seit 1992 zwischen den Projekten und Kooperationspartnerinnen:

  • einen Lern- und Erfahrungsaustausch über einen längeren Zeitraum hinweg
  • alle Teilnehmerinnen sollten als Lehrende und Lernende zusammenarbeiten.

Mehrere Vorbereitungsgruppen entstanden, die über alle Grenzen hinweg über ein Jahr lang das Programm und die Logistik erarbeiteten. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen:

  • Es gab ein zweiwöchiges Programm mit über 100 Kursangeboten.
  • Es nahmen 185 Frauen mit 40 Kindern aus 19 verschiedenen Ländern teil, von Wladiwostok über Moskau, Tbilissi, Istanbul bis London.

Die Themen standen unter den Fragestellungen: Welche Rolle wollen die Frauen in der Gesellschaftspolitik ihrer Länder einnehmen? Wie können sie diese Ziele erreichen? Folgende Themen wurden in den Kursen analysiert und diskutiert:

  • erstarkende Nationalismen und religiöse Fundamentalismen, insbesondere angesichts der kriegerischen Eskalation im ehemaligen Jugoslawien
  • Konfliktlösungsstrategien
  • alltäglicher Rassismus und Sexismus sowie Gewalt gegen Frauen
  • Frauengesundheit
  • Computerkurse + E-Mail-Kommunikation
  • Englische Sprache

Darüber hinaus gab es vielfältige Angebote für Sport, Kunst und Kultur. Alles in allem war das Camp ein überwältigendes Erlebnis für alle Teilnehmerinnen, hätte nicht zeitgleich eine düstere Wolke den Horizont verdunkelt: 1995 entflammten erneut militärische Auseinandersetzungen zwischen Kroatien, Serbien und Bosnien-Herzegowina. Die Kämpfe und Grausamkeiten gipfelten zehn Tage vor Beginn der Frauensommerschule in dem furchtbaren Massaker von Srebrenica, bei dem serbische Truppen 8.000 Männer und Jungen in der UN-Schutzzone Srebrenica ermordeten.

Der WDR dokumentierte die Frauensommerschule „Flusspferd“ mit einem halbstündigen Film, der am 2. Weihnachtstag 1995 im WDR-Fernsehen ausgestrahlt wurde.

* Siehe dazu Blogbeiträge von Mojca Dobnikar und Zorica Mršević