Geschichte

Von A(nfang) bis Z(usammenlegung)

  • 1986 fordern feministische Projekte im Bündnis mit einigen grünen Feministinnen die Grünen auf, die der Partei qua Stiftungsgesetz zustehenden Mittel für eine Stiftung (Millionen aus dem Etat verschiedener Bundesministerien) ausschließlich an Frauen zu geben.
  • 1987 gründet die Initiativgruppe mit Rückenwind zahlreicher Frauenprojekte einen Verein mit Namen „FrauenAnstiftung“. Die Feministinnen mischen sich in Bund und Ländern in die Stiftungsdebatten der Grünen Partei ein und es gelingt ihnen, eine wachsende Lobby hinter sich zu vereinen. Siehe dazu Gründung
    * „Völlig durchgeknallt“, Spiegel, 5.07.1987
  • 1988 erkennen die Grünen drei unterschiedliche Initiativen als ihre grünennahe Stiftung an: die ‚alte‘ Heinrich-Böll-Stiftung, die grünennahen Länderbildungswerke (Buntstift) und: die FrauenAnstiftung. Die drei schließen sich in dem eigens dafür gegründeten Dachverband „Regenbogen“ zusammen und erhalten von verschiedenen Bundesministerien jeweils ein Drittel der Gesamtmittel.
    * „Grüne Stiftung stiftet Chaos“, TAZ, 19.02.1988
  • Ende 1988 startet die FrauenAnstiftung in spartanisch möblierten Büroräumen im alternativen Hamburger Schanzenviertel: mit riesigem Enthusiasmus, Hunderten ehrenamtlicher Mitstreiterinnen und Tausenden von Ideen. Die Ausstattung besteht aus einer Schreibmaschine, einem Tapeziertisch, Ikea-Klappstühlen und: 1,4 Millionen DM aus Bundeshaushaltsmitteln, die innerhalb von drei Monaten für Politische Bildung ausgegeben werden müssen.
  • 1989 schleppt die Postbotin täglich waschkörbeweise Post ins Haus: Anträge chronisch unterbezahlter Frauenprojekte, die in der Stiftung ihre letzte Rettung sehen. Vorstand und Stiftungsrat kommen den vielen Projektentscheidungen nicht mehr hinterher. Daher werden weitere Entscheidungsgruppen gebildet, unterstützt von Arbeitsgruppen mit Expertinnen verschiedener Bereiche. Sie sollen differenziertere Vergabekriterien ausarbeiten. Nichtsdestotrotz ist eine Konkurrenz ums Geld nicht zu verhindern. Siehe auch Strukturen
    * Wie ein Ritt über den Bodensee, TAZ, 9.04.1990
  • 1990 zieht die FrauenAnstiftung in eine Fabriketage in Hamburg-Altona um. Die Zahl der Angestellten wächst, denn es wird offenkundig, dass auch eine basisdemokratisch orientierte Stiftung sowas wie Geschäftsführung, Fachreferentinnen, Sachbearbeitung, Finanz- und Personalabteilung usw. braucht. Nicht alle können sich mit der Fülle an bürokratischen Regeln der geldgebenden Bundesministerien anfreunden, die nun den Arbeitsalltag bestimmen.
  • 1991 wird nach einer Haushaltsschulung des Bundesministeriums des Inneren (BMI) klar, dass die Stiftung keine Vergabestiftung sein darf, sondern einen Bildungsauftrag zu erfüllen hat. Im Bundesgebiet werden daher sogenannte „Dezentrale Büros“ errichtet. Sie sind als „Vernetzungszentren“ konzipiert und sollen Bildungsmaßnahmen entwickeln. Zwei Referentinnen, eine für Inland-Internationalismus, koordinieren und verwalten die Bildungsarbeit. Im Auslandsbereich, der die meisten Mittel verwaltet, existiert bereits einen größerer Stab an Mitarbeiterinnen.
  • 1992 reagiert die Stiftung auf rassistische Progrome in Deutschland und auf den Balkan-Krieg mit der Intensivierung einer konfliktreichen Debatte zwischen In- und Ausländerinnen, Weißen und Schwarzen Frauen. Auch in der sogenannten Entwicklungszusammenarbeit fordern die Projektpartnerinnen des Globalen Südens selbstbewusst einen Dialog auf Augenhöhe mit der Geldgeberin.
  • 1993 krempelt die deutsche Wiedervereinigung auch die FrauenAnstiftung um. In Begegnungsprogrammen zwischen Ost und West suchen wir nach historischen und aktuellen Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Ein neues Dezentrales Büro in Weimar entsteht, das sich mit Lesbenthemen in Ost und West befasst, und es gibt weitere Sondermittel für den „Aufbau Ost“. Auch das Thema Rassismus wird in der Stiftung immer mehr zum Tagesthema, was nicht spannungsfrei bleibt.
  • 1994 ist die Stiftung in immer größerem Maßstab weltweit bildungspolitisch aktiv. Die Mittel sind auf jährlich 14,4 Millionen gestiegen. Parallel deutet sich an, dass die Grüne Partei, inzwischen in „Bündnis 90/Die Grünen“ umbenannt, sich statt dreier Teilstiftungen eine zentralisierte Gesamtstiftung wünscht, die der Partei stärker zuarbeitet. Damit wird die Existenz der FrauenAnstiftung infrage gestellt.
    * „Warum nicht Hannah Arendt?“, TAZ, 2.12.1994
    * „Stiftungs-Durcheinander und Gegeneinander?“, TAZ, 9.11.1994
  • 1995 entwickelt sich zum Jahr der „Stiftungsreform“, denn die Grünen fordern jetzt unmissverständlich die Zusammenlegung der Teilstiftungen. Manche in der FrauenAnstiftung wollen möglichst viele feministische Errungenschaften unter dem Stichwort „Integration und Autonomie“ in die neue Gesamtstiftung hinüberretten, andere versuchen sich dem Ansinnen zu verweigern. „Doch für ein Beharren auf dem Status Quo, dem Erhalt der FrauenAnstiftung in ihrer autonomen, partei-fernen Struktur, fehlte uns jede Machtbasis“, resümiert der letzte Sachbericht der FAS.
    * „Vom Brain-Trust zum Think-Tank“, TAZ, 22.02.1996
  • 1996 löst sich die FrauenAnstiftung auf. Ihr Erbe in der neugegründeten Heinrich Böll-Stiftung ist „Geschlechterdemokratie“ als oberstes Satzungsziel für die gesamte Arbeit, eine 50%-Quote für Frauen und der Plan für ein Feministisches Institut. Mit einer Träne im Augenwinkel tragen wir die letzten Mülltüten aus der Geschäftsstelle. Sieben Jahre intensiver Arbeit sind zuende, auch wenn vieles aus der FrauenAnstiftung in der neuen Stiftung weiterleben wird.
    * „Aus drei mach eins“, TAZ, 28.09.1996
    * „Stiftung am Fluß“, TAZ, 22.2.1996