DeColores war bundesweit das erste internationale Migrantinnen-Zentrum, das sich ab 1988 auf einer internationalen Basis organisierte. Die Gründerinnen waren Frauen, die aus verschiedenen Ländern stammten und die in Deutschland lebten. Die internationale Ausrichtung von DeColores war ein innovativer Schritt gegen Fremdbestimmung, das neue Perspektiven für Migrantinnen eröffnen sollte.

Kooperations- und Gründungsprojekt des Dezentralen Büros „AG-Antirassismus

Das Zentrum wurde auf Grundlage eines feministischen Ansatzes gegründet, der gezielt um die Perspektiven und kritische Auseinandersetzungen von Migrantinnen erweitert wurde. DeColores verstand sich als autonome Gruppe, die weder parteipolitisch gebunden war noch von anderen Institutionen geleitet oder beeinflusst wurde.

In den späten 1980er und frühen 1990er Jahren war dieser Ansatz gesellschaftlich neu und kritisch – und stieß daher zunächst auf wenig Unterstützung. Dennoch erhielt DeColores aus kleineren Förderprogrammen für Frauenprojekte minimale finanzielle Mittel, mit denen die Arbeit und die Räumlichkeiten gesichert werden konnten. Die Arbeit erfolgte größtenteils ehrenamtlich und ohne feste Stellen. Durch Kooperationen mit weiteren Organisationen und Projekten, wie der FrauenAnstiftung und der Bremer Frauenwoche, konnte das Zentrum zusätzliche direkte und indirekte Förderung erhalten.

Ziele und Schwerpunkte von DeColores

• Förderung der Sichtbarkeit von Migrantinnen in der Gesellschaft
• Anregung zur Selbstorganisation von Migrantinnen
• Sensibilisierung für die Situation von Migrantinnen, geflüchteten Frauen, Schwarzen Frauen, jüdischen Frauen sowie Sinti- und Roma-Frauen
• Unterstützung und Informationen für Migrantinnen
• Schutz und Empowerment, wo und wann immer notwendig
• Aufbau von Bewegungen und Netzwerken
• Förderung des Dialogs mit deutschen Frauen sowie mit Frauen – insbesondere Feministinnen – aus den Herkunftsländern
• Antirassismus-Arbeit

Ab 1990 intensivierte DeColores die Zusammenarbeit mit der FrauenAnstiftung. Ab 1991 waren die AG Antirassismus der FrauenAnstiftung und die Gruppe DeColores inhaltlich eng verknüpft. Weitere Kooperationen umfassten Projekte mit Partnerinnen aus Europa (Ost-West-Süd) und aus dem globalen Süden, sowie Schwerpunkte und Themen wie Frauen im Krieg und Migration in der EU.

Themenschwerpunkte

Mit Unterstützung der FAS etablierte sich DeColores sowohl in Bremen als auch bundesweit. Die Themen reichten von Migration und Recht, Frauen- und Menschenrechte, Gewalt gegen Frauen, Internationalismus, Situation von Migrantinnen auf dem Arbeitsmarkt, Existenzgründung, Sprachförderung und Alphabetisierung bis hin zu Info-Café und Organisierung von Festen für Migrantinnen und ihre Freundinnen. Es wurden zahlreiche Treffen, Tagungen und Kongresse organisiert und dokumentiert, wodurch eine breite Basis für gesellschaftliche Auseinandersetzung entstand. Es würde ein breites Bündnis von Migrantinnen-Gruppen bundesweit angeregt und mitgetragen, der eine Vernetzung und weiteren Austausch ermöglichte.

Herausforderungen und Entwicklungen

1997 verlor die FrauenAnstiftung durch strukturelle Veränderungen ihre Existenzgrundlage auch in Bremen, wodurch auch DeColores die eigene Absicherung einbüßte. Bereits zuvor hatte DeColores ein Projekt zur beruflichen Orientierung und Existenzgründung für Migrantinnen konzipiert, um eine stabile Basis für das Zentrum zu schaffen. Leider wurde dieses Projekt vom Bremer Senat nicht unterstützt und stattdessen in einem anderen Rahmen – ohne die eigentlichen Gründerinnen – umgesetzt. Dies war ein schmerzlicher Beweis dafür, dass die Anerkennung und Teilhabe von Migrantinnen weiterhin keine Selbstverständlichkeit sind.

Fazit

Trotz aller Herausforderungen: Wir haben Bewegung (mit)geschaffen und wir haben Spuren hinterlassen! Wir haben Geschichte geschrieben! Die Arbeit geht jedoch weiter.

Bericht: Olga Uremovic, Mitglied von DeColores und FrauenAnstiftung

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